Infrarotheizung – teurer Trugschluss?

04
Jun

Infrarotheizungen sind laut einer Werbefirma eine energiesparende Alternative zu gewöhnlichen Heizungen, zudem sorgt das Heizen mit einer Infrarot-Strahlung für ein gesünderes Raumklima, dies ist bei gewöhnlichen Heizkörpern selten der Fall.

Wie funktioniert eine Infrarotheizung?

Die Infrarotstrahlen geben die Energie kaum an die Raumluft, sondern nur an die Menschen und Gegenstände, die sie auch treffen. Wände, Decken und Möbel können die Strahlungen absorbieren, sich aufheizen und die Wärme dann gleichmäßig im Raum verteilen, deshalb herrscht im ganzen Zimmer ein gleichmäßiges Temperaturniveau. Bei Heizkörpern ist es so, dass sie in erster Linie die Luft in ihrer unmittelbaren Umgebung erwärmen, die dann auf und wieder absteigt, sobald sie sich abgekühlt hat. Dadurch entsteht dann eine immerwährende Luftzirkulation, die auch Staub aufwirbelt, was natürlich nichts für Allergiker ist. Dies hat man bei der Infrarotheizung nicht, da wegen der gleichmäßigeren Wärmeverteilung die Luft weniger zirkuliert, deshalb gelangt auch weniger Staub in die Luft. Dieser Effekt tritt allerdings auch bei einer Fußbodenheizung ein, die durch niedrige Energiekosten überzeugt.

Infrarotheizung die teuerste von allen Heizungen

Matthias Wagnitz vom Zentralverband Sanitär Heizung Klima ist sehr skeptisch was die Effizienz der Infrarotheizungen angeht, da er der Meinung ist, dass es sich hierbei um elektrische Heizungen handelt, um jedoch mit Strom zu heizen sind diese im Vergleich zu Gas etwa viermal so teuer. Wenn man nicht mit Ökostrom heizen würde, dann wären die Geräte vom Kohlendioxidausstoß für die Umwelt nicht gewinnbringend.

Die Anschaffung wäre laut Experte am Anfang günstig, aufgrund Wartungskosten muss man für Infrarotheizungen ständig blechen, deshalb ist auch die Anschaffung nicht so preiswert wie oftmals angegeben. Ein Referent für Energietechnik bei der Verbraucherzentrale hat ein Angebot für ein Zweifamilienhaus über 12.000 Euro vorliegen und meinte, dass man spitz rechnen müsse um alle Kosten zu kalkulieren, in der Gesamtkostenrechnung wäre die Infrarotheizung aber die teuerste Heizung von allen. Betrachtet man die Kosten für zehn Jahre, wäre die Anschaffung einer guten Heizungsanlage oder Wärmepumpe lohnender, diese Wärmepumpen können die Wärme aus der Umgebungsluft oder der Erde sammeln und über eine Tauschflüssigkeit an den Heizkreislauf abgeben.

Wo kann denn eine Infrarotheizung auch wirtschaftlich sinnvoll sein?

Der Heizungsfachmann hält Infrarotheizungen für kleine Räume geeignet, die man mit einer Zusatzheizung als Frostschutz ausstatten möchte. Die Geräte seien auch in einer Gartenlaube eine Option, wo sie nur für wenige Stunden laufen, wobei Infrarotheizungen hier ihren Vorteil ausspielen. Durch die direkte Strahlung wird das Zimmer sofort warm, wo immer man nur einen Raum für kurze Zeit nutzt, wie ein Partykeller oder ein Hobbyraum, die Geräte können zur normalen Heizung als Ergänzung sehr sinnvoll sein. Energieverluste werden durch die kurzen Aufheiz- und Abkühlzeiten minimiert.

Infrarotheizung – eine Alternative zur Nachtspeicherheizung?

Häufig werden Infrarotheizungen als Alternativen zu Nachtspeicherheizungen angeboten, der Hersteller verspricht dass hochwertige Modelle mit intelligenter Regeltechnik wesentlich sparsamer sein sollen als Nachtspeicherheizungen. Laut einer Studie sind nur geringe Unterschiede der Energieeffizienz von Nachtspeicher- und Infrarotheizungen festzustellen und der Verbraucherschutz in NRW gibt zu bedenken, dass der Tarif rund 20 Cent pro Kilowattstunde gegenüber 28 Cent im Normaltarif kostet, daher kamen die Entwickler der Studie am Ende sogar auf höhere Stromkosten.

Elektroheizungen können in Zukunft ein Faktor werden

Experten von der Technischen Universität Kaiserslautern glauben, dass Elektroheizungen aus längerer Sicht durchaus zu einer sinnvollen Alternative Konvektionsheizungen werden könnten – damit würden sie überschüssigen Ökostrom aus Windenergie verwerten oder Photovoltaikanlagen. Laut dem Koalitionsvertrag der aktuellen Bundesregierung sollen die erneuerbaren Energien im Jahr 2025 40 bis 50 Prozent der Stromerzeugung übernehmen, während es im Jahr 2035 sogar schon 55 bis 60 Prozent wären.

Infrarotheizungen ein Eyecatcher?

Infrarotheizungen haben für Design-Verliebte schon heute einen echten Mehrwert, dabei haben Elektroheizungen mit der konventionellen Heizung nur noch wenig gemeinsam. Die Platten hängen an der Wand oder sind an Decken angebracht, die nicht dicker als Bilderrahmen sind. Die Infrarotheizungen können als Bildmotiv gestaltet sein und wie ein Wandgemälde aufgehängt werden, wobei es die schicken Wärmespender aber auch noch in vielen anderen Variationen gibt. So gibt es einen Hersteller, der beschreibbare Tafel-Heizungen oder Infrarot-Heizmodule in Gestalt eines Wandspiegels im Sortiment hat, der nicht beschlägt.

Eine Infrarotheizung lässt sich durch die große Design-Vielfalt in jedes Wohnumfeld stimmig integrieren, konventionelle Heizkörper wirken wie ein Fremdkörper, dies ist bei einer Infrarotheizung nicht der Fall. Wer auf ein schickes und edeles Design Wert legt und bereit ist, höhere laufende Kosten in Kauf zu nehmen, für den kann sich eine Infrarotheizung durchaus lohnen.